Erfahrungen mit dem Tablet „Lenovo ThinkPad 8“

Vor gut zwei Monaten habe ich mir ein Windows Tablet fürs Filme gucken (das Gerät hat keinen Lüfter und macht deshalb auch keinen Lärm), die Uni (man braucht ja nicht immer alles ausdrucken…) und als leichtgewichtiges Gerät für unterwegs gegönnt.
Hier berichte ich über meine Erfahrungen mit dem Gerät und passendem Zubehör. Doch zuerst die Eckdaten:

  • 21,1 cm (8,3 Zoll) IPS Display (1920 x 1200)
  • 2,4GHz Intel Atom-Z3770 (Bay Trail-T, Quad-Core)
  • 2GB RAM (fest verlötet, nicht tauschbar)
  • 64GB interner Speicher (eMMC)
  • 8,0MP Kamera
  • 2,0MP Frontkamera
  • Windows 8.1
  • MicroHDMI, USB3.0 (MicroUSB), MicroSD
  • WLAN (802.11a/g/n)
  • BT 4.0 + EDR
  • 3G, 4G (MicroSIM-Slot), GPS
  • 20,5Wh Li-Polymer Akku
  • (B x T x H) 224,3 x 132 x 8,8mm; 430g

Warum ausgerechnet ein Windows-Tablet?

Anmerkung: Ich habe Windows8-Tablets vor etwas mehr als einem Jahr ziemlich kritisiert: Warum Tablet-PCs mit Windows 8 keinen Erfolg haben
Ich stehe nach wie vor zu meiner Kritik und Analyse, jedoch hat sich die Technik (erfreulicherweise!) weiter entwickelt und nicht alles ist perfekt (siehe weiter unten!)

  • Ich wollte mal ein Tablet benutzen 🙂
  • Ich brauchte einen Rechner mit Windows zur Synchronisation mit meinem iPod (warum kriegen es die anderen Hersteller einfach nicht hin, gute MP3-Player herzustellen?!) und wollte Windows weder in einer virtuellen Maschine auf meinem Hauptrechner nutzen (zu umständlich) noch einen Dual-Boot machen (umständlich und nervig!)
  • Das Tablet ist weniger verdongelt als Windows-RT-Tablets oder iPads, durch die Möglichkeit der Installation von herkömmlichen Desktop-Programmen hat man definitiv mehr Möglichkeiten.
    Rein theoretisch könnte ich eine Linux-Distribution auf dem Tablet installieren, das 32bit-UEFI macht es schwerer und ich will es eigentlich gar nicht, aber es würde gehen!
  • Es gibt (Sicherheits-)Updates! Und man ist nicht vom Hardwarehersteller abhängig (Android) oder künstlich eingeschränkt (Apple!), weil Microsoft das Betriebssystem zentral aktualisiert
  • Der Preis: Für ~275€ bekommt man ein relativ offenes Gerät mit guter Leistung.

Positiv

  • Gutes Display (Farbwiedergabe (IPS!), Schwarzwert und Schärfe (WUXGA / Full-HD (1.920×1.200) auf 8.3″ Displaydiagonale)
  • USB3.0-Port (viele andere Tablets bieten nur 2.0)
  • micro HDMI-Ausgang vorhanden
  • verglichen mit alten „Atom-Krücken“ relativ (aufwändige Programme brauchen länger zum starten) schnell (Boot und Bedienung)
  • Für den Alltag ausreichende Grafik-Leistung (bei der letzten oder vorletzten Atom-Generation konnte es gerne mal arg ruckelig werden)
  • Lüfterlos 🙂
    Die Temperatur bleibt auch im Rahmen, wenn die Konvektion um das Tablet nicht gestört wird (z.B. abgedeckt ist)
  • Gute Akku-Laufzeit (geschätzt würde ich sagen: weniger als ein iPad mini aber mehr als ein durchschnittliches 15,6″-Notebook)
  • Bei Kopfhörern mit Kabelfernbedienung wird die Taste unterstützt (ModernUI-Video-App, VLC-Mediaplayer und iTunes)
  • Das mitgelieferte USB-Netzteil (100-240V~/0,3A – 5,2V/2A) wird weder heiß noch surrt oder pfeift es
  • Windows 8.1 hat ein paar clevere Anpassungen für die Bedienung per Touchscreen:
    Cursor-Tasten auf der Bildschirmtastatur
    Gutes Netzwerkmenü
    Gut erreichbares Menü mit Einstellungen und Such-Funktion (per Wisch von rechts nach links in den Bildschirm hinein erreichbar)
  • Auch der Internet-Explorer für die ModernUI ist gut brauchbar (Schnell, gutes Zoomen – auch per Doppeltipp!)
  • Die Hauptkamera ist brauchbar, ich benutze sie gelegentlich, um Mitschriften abzufotografieren, sonst liegt sie allerdings brach…

Negativ

  • Laden und gleichzeitige Nutzung des USB-Port nicht möglich, auch über ein Y-Kabel einer USB-Festplatte nicht (Festplatte wird nicht mehr erkannt)
    Hier hätte Lenovo ruhig einen zweiten Port spendieren können
  • 32Bit UEFI, obwohl der Rest der Hardware voll 64Bit-Kompatibel ist
    Angeblich haben die Hersteller dies eingeführt, weil Microsoft die Stromsparmechanismen von Windows 8 unter 64Bit nicht zum Laufen bekam…
    Die Variante des Tablets mit 4GB RAM wird mit Windows 8.1 64Bit ausgeliefert, das ein 64Bit („normales“) UEFI voraussetzt, was diese Variante dann wohl haben wird. Aber die war mir ja zu teuer 😉
    Problem: Aktuelle Linux-Distributionen können (noch?) nicht booten, obwohl der Linux-Kernel an sich ab 3.15 32Bit-UEFI unterstützt
  • in den noch bezahlbaren Varianten des Tablets sind immer nur 2GB RAM (nicht tauschbar!), die Version mit 4GB hätte allerdings glatt das 2,5-Fache gekostet 😮
  • Der Internet-Explorer lässt sich nicht in der für Touchscreen-optimierten Ansicht öffnen, wenn er nicht als Standardbrowser festgelegt ist (getrenntes Festlegen von Standardprogrammen für die ModernUI aka „Kachel-Oberfläche“  und den normalen Desktop möglich
  • Hoher Akku-Verbrauch im Standby (keine Programme offen!)
    (Akku etwa nach 12-18 Stunden leer)
  • Das Tablet hat keine Ladeanzeige, wenn es ausgeschaltet ist (bei einem Gerät, dass man aufgrund des minimalen Stromverbrauchs immer eingeschaltet lassen könnte, wäre das kein Problem, aber hier…)
  • Sperrt man das Display (Standby), spielen (zumindest) Desktop-Programme wie iTunes nicht weiter Musik ab

Neutral

  • Teilweise haben Programme Probleme mit der hohen Display-Auflösung (z.B. Qt-basierte Software (ich weiß allerdings nicht, ob das alle Programme betrifft, die auf QT aufbauen) wie z.B. der VLC-Mediaplayer und Scribus)
  • Die Tasten (Standby/Power & Lautstärke) sind nicht sonderlich gut zu drücken, da diese nicht erhaben sind, was aber wiederum das versehentliche Drücken dieser verhindert
  • Das mitgelieferte USB3.0-Kabel ist als Lade-Kabel doch sehr dick (zusätzliche Leitungen und Abschirmung, um USB3.0-Standard zu erfüllen) und daher nicht sehr biegsam; ich benutze ein normales USB2.0-Kabel (dünner!)
    Zum Aufladen des Akkus reicht das!

Zum Mobilfunkmodem

… ist nicht viel zu sagen: Es macht, was es soll, aber ich brauche es eigentlich nicht (die Version mit Modem war seinerzeit die günstigste Version, die es zu kaufen gab)…
Mangels offizieller Informationen von Lenovo zu dem Tablet, habe ich ein bisschen auf eigene Faust recherchiert, die unteren Daten kommen also nicht von Lenovo, sondern von Sierra Wireless, dem Hersteller des Modems!
Die unterstützten Frequenzen (siehe Produktseite und Datenblatt) des Modems Sierra Wireless EM7345:

  • Unterstützte Netzstandards: LTE, HSPA+, GSM/GPRS/EDGE
  • max. Down- und Uploadrate: 150 / 50 Mbps
  • Unterstützte Frequenzen:
    • GSM/GPRS/EDGE: Quad-Band (850 / 1900MHz (auf dem Amerikanischen Kontinent gebräuchlich) und 900 / 1800 MHz (in der EU gebräuchlich))
    • LTE: Bänder 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 13, 17, 18, 19, 20
      (2100, 1900, 1800, 1700, 850, 2600, 900, 700, 700, 850, 850, 800 MHz)
    • UMTS/HSPA+: Bänder 1, 2, 4, 5, 8
      (2100, 1900, 1700, 850, 900 MHz)
  • Ortung: GPS, A-GPS, Glonass

Hinweis:
Grün markierte Bänder und Frequenzen sind in Deutschland zur Zeit in Gebrauch; die Angaben stammen von Wikipedia (GSM, LTE, UMTS, E-UTRA)

Als Praktisch empfand ich zudem, dass Windows anscheinend eine Liste mit den gängigen APNs mitliefert und automatisch die passenden Einstellungen für das „Mobile Breitband“ wählt. Das Netzwerkmenü von Windows8.1 ermöglicht bequemes Deaktivieren der einzelnen Netzwerke und Verbindungen:

netzwerkmenue_win81

Ein Blick in die Netzwerkeinstellungen (unter „PC-Einstellungen“ zu finden)

einstellungen_netzwerk_win81

Auf die Detailansicht kommt man nach einem Tipp auf „E-Plus“mobiles_breitband

Sinnvolles Zubehör:

  • Eine microSD-Speicherkarte (64GB sind mittlerweile relativ günstig zu bekommen)
  • Ein längeres und flexibleres microUSB zu USB A Kabel
  • Ein microHDMI auf HDMI Kabel
  • Einen USB-OTG-Adapter (USB2.0 ist hier noch sehr verbreitet (viele Android-Geräte unterstützen USB-OTG), es gibt aber auch 3.0er)
  • Eine Tasche
  • Eine Bluetooth-Tastatur (Bei mir ein (sehr praktisches) Microsoft Universal Mobile Keyboard mit einem sehr praktischen Halter)
  • evtl. eine Bluetooth-Maus

2 Gedanken zu „Erfahrungen mit dem Tablet „Lenovo ThinkPad 8““

  1. hey 🙂
    ich habe auch das Thinkpad 8 mit 32bit windows 10. allerdings die 128gb variante mit lte. Das y-kabel habe ich auch geholt und bei mir funktioniert auch der usb port während des laden. selbst ein 4 port usb-hub lässt sich ohne probleme nutzen. wollte mal gucken ob ich ein android finde um ein dualboot tab zu haben.
    lg rene

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.